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Hampton, Lionel - In Vienna, Volume 2 (1954)

Lionel Hampton – In Vienna 1954, Volume 1
In der Dezembernummer des Jahres 1954 brachte das "Jazz Podium" - damals wie heute das einzige ernstzunehmende Jazzmagazin im deutschen Sprachraum - einen doppelseitigen Bildbericht vom ersten Konzert Lionel Hamptons in Wien. Die Reportage war mit der euphorischen Headline "Wird Wien Jazz-Zentrum?" übertitelt. Nun, Jazz-Zentrum ist Wien nicht geworden aber die Entwicklung, die der Jazz In der österreichischen Bundeshauptstadt In den letzten fünfunddreißig Jahren genommen hat, hat sich wohl 1954 der größte Optimist nicht zu hoffen gewagt. Tatsächlich hat das Lionel Hampton-Konzert vom 18. November 1954 aber eine Konzertlawine ins Rollen gebracht. Schon einige Monate zuvor gastierte mit der Third Herd von Woody Herman die erste Nameband in Wien. Auf Grund des triumphalen Erfolges, den Lionel Hampton in seinem ersten Wiener Konzert hatte, verpflichtete man Hamp schon fünf Wochen später abermals ins Konzerthaus. Am ersten Weihnachtsfeiertag 1954 entfesselte Hamp neuerlich Musiker und Publikum. Zwei Tage später übrigens gastierte die Hampton-Band in der Grazer Industriehalle (vergleichen Sie hierzu die beiden englischen Alben Swinghouse SWH 45 und SWH 54).
In den Jahren danach, etwa bis 1963, gab es dann in Wien einen regelrechten Konzertboom und alles was im Jazz Rang und Namen hatte, war auf der Bühne zu hören und zu sehen. Die Jazzliebhaber hatten endlich Gelegenheit, jene Idole, die sie von Schallplatten, Filmen und aus der spärlichen Jazzliteratur kannten, in Aktion zu erleben: Ella Fitzgerald, Oscar Peterson, Gene Krupa, Dizzy Gillespie, Roy Eldridge, Stan Kenton, Count Basie, Benny Goodman, Louis Armstrong, Duke Ellington, Miles Davis, John Coltrane, Nat King Cole, Quincy Jones, Stan Getz ...•. und dazwischen immer wieder - in gewissen Abständen - Lionel Hampton, der sich als wahrer Publikumsmagnet erwies. Selbst die Wiener Presse nahm von den Hampton-Konzerten immer wieder ungewöhnlich stark Notiz und es gab neben Bildberichten auch Sensationsaufmacher auf den Titelseiten. Zuweilen gab es auch Stimmen (und sie kamen häufig aus Jazzkreisen), die Hamptons Harlem-Jump als geschmackloses Spektakel abqualifizierten. Ich selbst erinnere mich noch an die Aussage eines "seriösen" Jazzfreundes: "Dieser Wirbel ist keine Musik mehr!". Nun, die folgenden Jahrzehnte haben bewiesen, daß es weitaus stärkere Belastungen für das Gehör geben sollte.
Die beiden RST-CD's (RST-91423 und RST-91424) enthalten die Musik des Konzertes vom 18. November 1954 beinahe ungekürzt. Die Aufnahmen verdanken wir dem Tonbandamateur Ing. Ernest Cech und seiner "Stuzzi"-Maschine. Heute können wir feststellen, daß Hamptons Jump eine vitale, mitreißende und faszinierende Musik war, dargeboten mit unübertrefflichem "Showmanship", Lebensfreude und bestechender Meisterschaft.
KLAUS SCHULZ "Die goldenen Fünfziger" – ORF.
Originalaufnahmen aus dem Archiv von Ing. ERNEST CECH
10 Tracks. Aufnahmedatum: 18. November 1954 im Konzerthaus, Wien.
Preis: 13,50 EUR