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100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich

Ein historischer und literarischer Überblick




Buch: A. Blaustrumpf
Sie meinen es politisch!
100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich


Nach der im November 1918 erfolgten Ausrufung der Republik-Österreich waren für den 16. Februar 1919 Wahlen zur Konstituierenden (Verfassunggebenden) Nationalversammlung ausgeschrieben. Bei diesen Wahlen und bei den Gemeinderatswahlen am 4. Mai 1919 konnten Frauen erstmals wählen und auch selbst kandidieren.

Das Wahlrecht für Frauen in Österreich

In Österreich erhielten Frauen das allgemeine Wahlrecht am 12. November 1918 nachdem man sich im Zuge des Zerfalls des Kaiserreichs Österreich-Ungarn zur Republik erklärt hatte.

Seine Durchsetzung geht auf die Forderungen der bürgerlichen und proletarischen Frauenbewegung zurück. Bis dahin waren Frauen von politischen Aktivitäten und der Teilnahme am Vereinswesen weitgehend ausgeschlossen. Bei den ersten parlamentarischen Wahlen in Österreich, den Reichstagswahlen 1848, waren ausschließlich Männer wahlberechtigt. Im Verlauf des Revolutionsjahrs 1848 und im Zuge der demokratischen Bestrebungen wurde erstmals die Frage der Wahlberechtigung von Frauen diskutiert. Die Mehrheit der männlichen Abgeordneten befand allerdings, dass die Frauen ohnehin durch ihre Männer vertreten wären.

Am 26. Jänner 1907 wurde das allgemeine gleiche Wahlrecht für Männer eingeführt. Mit der Begründung, das Wahlrecht stelle ein Äquivalent für Wehrpflicht und andere öffentliche Pflichten dar, blieben Frauen wieder unberücksichtigt.

Der Erste Weltkrieg veränderte die Situation für die Frauen nachhaltig. Aufgrund der kriegsbedingten Abwesenheit der Männer traten viele Frauen ins Berufsleben ein, ihre Arbeitsleistung wurde für die Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft unentbehrlich. In der allgemeinen politischen und gesellschaftlichen Umbruchsphase nach dem Krieg konnte den Frauen das Wahlrecht nicht mehr vorenthalten werden.

Im November 1918 wurden aufgrund eines Parteienkompromisses provisorisch zwölf Frauen in den Gemeinderat berufen (fünf Sozialdemokratinnen, fünf Christlichsoziale, zwei Liberale); am 12. November 1918 beschloss die Provisorische Nationalversammlung für Deutschösterreich die Zuerkennung des aktiven und passiven Wahlrechts an alle volljährigen Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts.

Anlässlich der konstituierenden Nationalversammlung zogen im März 1919 die ersten acht weiblichen Abgeordneten ins Parlament ein: sieben für die Sozialdemokratische Partei sowie eine für die Christlichsoziale Partei.
Es waren dies Anna Boschek, Emmy Freundlich, Adelheid Popp, Gabriele Proft, Therese Schlesinger, Amalie Seidel und Maria Tusch für die Sozialdemokratische Partei sowie Dr. Hildegard Burjan für die Christlichsoziale Partei.

1927 war Olga Rudel-Zeynek mit ihrer Wahl zur Bundesratspräsidentin die weltweit erste Frau, die an der Spitze einer parlamentarischen Körperschaft stehen durfte.
Dennoch dauerte es noch Jahrzehnte, bis mit Grete Rehor 1966 die erste Frau zur Ministerin ernannt wurde.



Buch: A. Ziegerhofer
Ohne FRAUENbewegung kein FRAUENwahlrecht


Die Entwicklung seit 1919

In den vergangenen 100 Jahren hat es weitere Fortschritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung gegeben. Es hat lange gedauert, bis Frauen in wichtigen politischen Positionen tätig werden konnten. Und so lange es noch betont wird, dass ein Beruf – welcher auch immer – von einer Frau ausgeübt wird, ist das Ziel der gelebten Gleichwertigkeit nicht erreicht.

Nachfolgend seien jetzt noch einige aus der großen Zahl bedeutender Frauen erwähnt, die die gesellschaftliche Entwicklung und die Gesetzgebung beeinflusst haben.

Eine der Vorreiterinnen war Marianne Hainisch, die Begründerin der Frauenbewegung in Österreich und Mutter des ersten Bundespräsidenten der Republik. Sie lebte von 1839 bis 1936. Bereits 1870 forderte sie die Errichtung von Mädchengymnasien und die Zulassung von Frauen zum Hochschulstudium. Tatsächlich erfüllte sich ihr Wunsch erst 1892: da wurde auf Betreiben des Vereins für erweitere Frauenbildung das erste Mädchengymnasium in Wien eröffnet.

Grete Rehor lebte von 1910 1987. Sie setzte sich als Gewerkschaftlerin für die berufliche Besserstellung und soziale Gleichstellung der Frauen ein. 1949-1970 war sie ÖVP-Abgeordnete zum Nationalrat, wurde als erste Frau zur stellvertretenden Gewerkschaftsvorsitzenden gewählt und war 1966-1970 als erste Frau Mitglied der Bundesregierung. In ihre Zeit als Sozialministerin fallen das Arbeitsmarktförderungsgesetz, das Arbeitszeitgesetz, Pensionsverbesserungen sowie zahlreiche andere Sozialgesetze.

Maria Schaumayer, die von 1931 bis 2013 lebte, war eine österreichische Wirtschaftswissenschaftlerin und Politikerin (ÖVP). Von 1990 bis 1995 war sie Präsidentin der Oesterreichischen Nationalbank. In dieser Funktion war sie die erste Frau weltweit. In ihre Zeit fallen der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union und erste Vorbereitungen für die europäische Währungsunion.

Johanna Dohnal lebte von 1939 bis 2010. Sie war von 1990 bis 1995 die erste österreichische Frauenministerin, Mitgründerin des Vereins Soziale Hilfen für gefährdete Frauen und Kinder, der das erste Wiener Frauenhaus schuf und setzte zahlreiche gesetzliche Verbesserungen vor allem für die berufstätigen Frauen durch. Außerdem engagierte sie sich in der Friedens-, der Bildungs- und der Entwicklungspolitik.

Und nicht zuletzt gibt es in Hietzing mit Silke Kobald eine Bezirksvorsteherin und seit kurzem mit Brigitte Bierlein die erste Bundeskanzlerin Österreichs!

Erst Jahrzehnte nach der Einführung des Frauenwahlrechts traten einige bedeutende gesetzliche Regelungen in Kraft. Endlich wurden meist Jahrzehnte alte Forderungen erfüllt.
Schon 1925 brachten die sozialdemokratischen Abgeordneten zum Nationalrat Adelheid Popp und Gabriele Proft im Parlament einen Antrag auf Schaffung eines Gesetzes "über die Gleichstellung der Geschlechter im Familienrecht" ein – eine Initiative, die erst 50 Jahre später mehrheitsfähig war.

1976 trat das Kernstück der Familienrechtsreform – die Neuordnung der persönlichen Rechtswirkungen der Ehe – in Kraft.
Damit wurde das bis dahin rechtlich gültige patriarchalische Versorgungsehemodell durch ein partnerschaftlich orientiertes ersetzt.
Eine der wichtigen Neuordnungen war unter vielem anderen, dass eine Frau nicht mehr die Erlaubnis des Ehemannes brauchte, wenn sie berufstätig sein wollte.

Mit der Neuregelung des Kindschaftsrechtes das 1978 in Kraft trat, wurde die "väterliche Gewalt" über die Kinder beseitigt. Vater und Mutter haben nunmehr gleiche Rechte und gleiche Pflichten gegenüber ihren Kindern. Auch Mütter sind nun berechtigt, Passanträge – um nur ein Beispiel zu nennen – für ihre Kinder zu unterschreiben.

Erst Anfang der neunziger Jahre wurden in Österreich elementare Frauenrechte wie die Beseitigung der Amtsvormundschaft bei ledigen Müttern, das Recht zur Betretungsverweigerung bei Gewalt in der Ehe und das gesetzliche Verbot der sexuellen Belästigung festgeschrieben.

Das und vieles andere verdanken wir engagierten Frauen, die trotz sozialer, beruflicher und persönlicher Widerstände für ihre Überzeugung gekämpft haben, auch wenn ihnen oft bewusst war, dass erst nachfolgende Generationen von ihrem Einsatz profitieren würden.



Buch: A. M. Lauritsch
An uns, ihr Frauen, ist die Reihe
- 100 Jahre Frauenwahlrecht


Frauenwahlrecht in Europa

Das Recht der Frauen, zu wählen und gewählt zu werden war in Europa lange Zeit nicht selbstverständlich. Die Verschiedenartigkeit der Geschlechter wurde nicht als wünschenswerte Ergänzung, sondern als Grund für Ausgrenzung gesehen.

Patriarchale Strukturen und Rechtssysteme sowie der Einfluss der Kirche prägten in vielen Ländern die Geschlechterordnung. Die Unmündigkeit der Frauen war in der Gesellschaft verankert. Es gab immer wieder Argumente gegen das Frauenwahlrecht.
Zum Beispiel wurde das kommunale Wahlrecht in Skandinavien und Großbritannien zunächst nur für ledige und verwitwete Frauen eingeführt. Die offizielle Begründung war, dass Verheiratete ja bereits durch ihre Ehemänner vertreten waren.
In anderen Ländern verband man das Wahlrecht mit „Bedingungen“. Katholische Staaten wie Italien, Belgien und das orthodoxe Bulgarien gestatteten anfangs nur verheirateten Müttern das Wahlrecht, da sie als „wertvoller“ galten als kinderlose Frauen. Bei Männern allerdings wurde die Wahlberechtigung nie mit der Zeugung ehelicher Kinder gleichgesetzt. In Griechenland mussten Frauen für ihr Stimmrecht im Gegensatz zu Männern eine Schulbildung nachweisen. In England, Ungarn und Island durften Frauen erst mit 30 beziehungsweise 40 Jahren wählen. Und in Österreich, Spanien und Italien wurde aus moralischen Gründen Prostituierten zunächst das Wahlrecht nicht gewährt.

Im mittleren Europa haben fast alle Länder nach dem Ersten Weltkrieg das Frauenwahlrecht eingeführt. In den meisten dieser Staaten vollzog sich um 1918 ein vollständiger Umbruch, der entweder im Zuge einer Revolution oder einer neuen Staatsgründung die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für beide Geschlechter umfasste. Die meisten südlichen und südöstlichen Länder erlangten nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. in der Nachkriegszeit das Frauenstimmrecht, wobei auch Belgien und Frankreich in diese Zeitschiene fallen.

Als erstes europäisches Land gab 1906 Finnland den Frauen nicht nur das passive Wahlrecht, sie wurden auch tatsächlich ins Parlament gewählt. In Dänemark einschließlich Island wurde das Frauenwahlrecht 1915 eingeführt. In Österreich war es wie erwähnt im November 1918 soweit und in Deutschland konnten die Frauen bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung im Januar 1919 erstmals auf nationaler Ebene ihr Recht nutzen. Im Jahr 1936 votierte die Abgeordnetenkammer Frankreichs einstimmig (475 zu 0) für ein Frauenwahlrecht aber die Provisorische Regierung der Französischen Republik stimmte diesem erst nach dem Ende der deutschen Besetzung Frankreichs 1944 zu.

In der Schweiz und in Liechtenstein hing die Einführung von einer männlichen Volksabstimmung ab, was den Kampf der Frauen sehr erschwerte. Denn gegen einen Beschluss der Regierung ließ sich leichter protestieren als gegen einen Volksentscheid.
Das Frauenstimmrecht in der Schweiz wurde durch eine eidgenössische Abstimmung 1971 eingeführt. Bis zur Einführung in allen Kantonen vergingen allerdings noch weitere 20 Jahre: Im Jahr 1990 gab das Bundesgericht einer Klage von Frauen aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden Recht und bestätigte damit die Verfassungswidrigkeit der diesbezüglichen Kantonsverfassung. So führte dieser Kanton das Stimmrecht für Frauen auf kantonaler Ebene entgegen einem Mehrheitsentscheid der Männer im April 1990 ein.
In Liechtenstein als dem letzten westeuropäischen Land erhielten die Frauen das Wahlrecht erst 1984, nachdem zuvor in zwei Volksabstimmungen (1971 und 1973) die Einführung abgelehnt worden war. Dabei hatten natürlich ebenfalls ausschließlich Männer abgestimmt. Nachdem eine Klage von Frauen vor dem Staatsgerichtshof gescheitert war, reichten 12 Frauen Klage beim Europarat ein. Dieser Druck wirkte. Das erneute Referendum 1984 endete mit einer knappen Mehrheit von 51,3 Prozent für das Frauenwahlrecht, seit 1999 gibt es ein Gleichstellungsgesetz.

Wie die Geschichte seither gezeigt hat, ist die Gleichwertigkeit der Geschlechter immer noch nicht selbstverständlich. Auch wenn die gesetzlichen Voraussetzungen dafür inzwischen geschaffen wurden, die praktische Akzeptanz ist noch immer eine alltägliche Herausforderung.

Einführungsdaten des Frauenwahlrechts in 20 europäischen Ländern.
- 1906 Finnland
- 1913 Norwegen
- 1915 Dänemark
- 1915 Island
- 1917 Estland
- 1918 Lettland
- 1918 Deutschland
- 1918 Österreich
- 1918 Polen
- 1918 Luxemburg
- 1919 Niederlande
- 1921 Schweden
- 1928 Großbritannien
- 1931 Spanien
- 1944 Frankreich
- 1945 Ungarn
- 1945 Slowenien
- 1945 Bulgarien
- 1946 Italien
- 1952 Griechenland
- 1971 Schweiz
- 1984 Liechtenstein




Buch: G. Trausmuth
»Ich fürchte niemanden« Adelheid Popp
und der Kampf für das Frauenwahlrecht


Adelheid Popp

Adelheid Popp wurde als Adelheid Dworak 1869 in schwierigsten sozialen Verhältnissen in Inzersdorf bei Wien geboren.
Ihr alkoholkranker Vater starb, als sie sechs Jahre alt war. Ihre Mutter, eine Fabrikarbeiterin, gebar mindestens fünfzehn Kinder, von denen zehn im Kindesalter starben. Die zehnjährige Adelheid musste nach drei Jahren die Schule verlassen, um als Dienstmädchen und später als Heim- und Fabrikarbeiterin zu arbeiten. Von ihren Brüdern wurde sie zu Arbeiterversammlungen mitgenommen, wo sie schon mit 17 Jahren über die unerträgliche Situation von Arbeiterinnen sprach, deren Interessen von den Männern nicht vertreten wurden. Sie erkannte schnell, dass die Frauen aus eigener Kraft für ihre Anliegen und Rechte eintreten mussten.
Neben der Fabrikarbeit lernte sie Lesen und Schreiben, las sozialistische Schriften, schrieb Artikel über die Situation der Arbeiterinnen. Bald sprach sie als viel beachtete Rednerin in allen Teilen der Monarchie. Sie setzte sich maßgeblich für das aktive und passive Frauenwahlrecht ein.
Ab 1891 war sie Mitglied des Wiener Arbeiterinnen-Bildungsvereins. Als Mitbegründerin wurde sie 1892 verantwortliche Redakteurin der österreichischen Arbeiterinnen-Zeitung, deren Herausgeberin sie später wurde. Nachdem sie1893 bei der Organisation eines der ersten Frauenstreiks mitgemacht hatte, kam sie mehrmals ins Gefängnis, da sie mit ihren als radikal geltenden Thesen zur freien Entfaltung der Frau in der Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz und in der Familie aneckte.
1893 heiratete sie den sozialdemokratischen Funktionär Julius Popp, mit dem sie zwei Söhne hatte, die beide jung starben. Julius starb bereits 1902.
1918 wurde sie in den Wiener Gemeinderat gewählt, dem sie bis 1923 angehörte. 1919 bis 1934 war sie Abgeordnete zum Nationalrat. Sie widmete sie sich vor allem Frauenthemen wie der Reform des Eherechts, forderte gleiche Löhne für Männer und Frauen und drängte auf eine Novellierung des Hausgehilfengesetzes sowie die Straffreistellung des Schwangerschaftsabbruchs.

Sie starb 1939 in Wien. 1949 wurde eine Wohnhausanlage im 16. Bezirk nach ihr benannt. Im 22. Bezirk gibt es die Adelheid-Popp-Gasse, im 17. Bezirk den Adelheid-Popp-Park.
Viele ihrer Forderungen waren für ihre Zeit zu progressiv. So verlangte sie unter anderem die Einführung der Karenzzeit, die Errichtung von Entbindungsanstalten sowie die Gleichstellung der Frau in der Ehe und im Beruf.




Buch: I. Schödl
Zwischen Politik und Kirche
- Hildegard Burjan


Hildegard Burjan

"Volles Interesse für die Politik gehört zum praktischen Christentum."
Dieser Ausspruch von Hildegard Burjan prägte ihr Leben und ihre politische und soziale Tätigkeit.

Sie wurde als Hildegard Lea Adolph 1883 in Görlitz an der Neiße geboren, und entstammte einer jüdisch-liberalen Familie aus dem bürgerlichen Mittelstand. Von Eltern und Lehrern gefördert, studierte sie in Zürich Literatur und Philosophie und in Berlin Sozialwissenschaft. 1907 heiratete sie Alexander Burjan, mit dem sie eine Tochter bekam.
Nach einer wundersamen Genesung von schwerer Krankheit konvertierte sie zum katholischen Glauben und wollte Ihr neu geschenktes Leben ganz für Gott und die Menschen einsetzen. Die Familie zog 1909 nach Wien, wo sie und ihr Mann, der Generaldirektor der Österreichischen Telephonfabriks AG war, die österreichische Staatsbürgerschaft annahmen. Sie wohnten in der Altgasse in Hietzing, später in der Larochegasse in Unter St. Veit.

Das Elend und die Not der Arbeiterfamilien veranlassten sie zu ihren ersten sozialen Tätigkeiten. Sie setzte sich vor allem gegen Kinderarbeit und für die Rechte der Frauen ein. 1912 gründete sie den "Verein christlicher Heimarbeiterinnen" und fasste alle Arbeiterinnenverbände 1918 im Verein "Soziale Hilfe" zusammen.

Von 1918 bis 1920 war sie als Politikerin tätig. Sie wurde zuerst in den Wiener Gemeinderat berufen, dann wurde sie als erste christlich soziale Abgeordnete 1919 in die neue Österreichische Nationalversammlung gewählt.
Hildegard Burjan gründete 1919 die apostolische Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, die mit ungeheurem Einsatz die Not der folgenden Jahrzehnte bekämpfte und sich bis heute karitativen Aufgaben widmet.
1920 schied Burjan aus der Bundespolitik aus und widmete sich ihren sozialen Aufgaben. Sie wirkte an der Neubildung der österreichischen Bahnhofsmission und an Einrichtungen der Familienpflege mit, errichtete ein Heim für Mütter mit unehelichen Kindern und schwierigem sozialen Umfeld sowie eine Ausgabestelle für kostenlose Kleidung. Damit wurde sie eine Wegbereiterin moderner Sozialarbeit.

Zuletzt wohnte sie mit ihrem Mann in einer großbürgerlichen Villa in Hietzing, in der Larochegasse 35 in Unter St.Veit.
1933 starb sie erst fünfzigjährig an der wiederaufbrechenden Nierenerkrankung, die sie schon als Jugendliche hatte, und an deren Folgen sie ihr Leben lang litt.

Seit 1984 gibt es im 15. Bezirk den Burjanplatz, 1995 wurde eine Wohnhausanlage in der Speisinger Strasse nach ihr benannt.
Vieles, was heute an sozialer Lebensgestaltung und Einrichtung des Staates selbstverständlich erscheint, ist ihrer Initiative zu verdanken.




Buch: R. Mayreder / T. Popovic (Hg.)
Rosa Mayreder: Der letzte Gott


Rosa Mayreder

Als bedeutendste feministische Theoretikerin der ersten Frauenbewegung um 1900 gilt die 1858 geborene Rosa Mayreder.
Sie war Schriftstellerin, Frauenrechtlerin, Kulturphilosophin, Librettistin, Musikerin und Malerin und gehörte zu den zentralen Personen und Vorkämpferinnen der Frauenbewegung.

Als Tochter aus bürgerlichem Wiener Haus fehlte es ihr an nichts bis auf mehr Zugang zur Bildung. Schon als Kind prangerte sie die hier vorherrschende Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern an und sie erreichte bei ihrem Vater, mit ihren Brüdern Griechisch und Latein lernen zu dürfen.
1881 heiratete sie den Architekten und späteren Rektor der Technischen Hochschule Wien Karl Mayreder.

Rosa Mayreder war vorerst als Malerin, tätig. 1891 hatte sie ihre erste Ausstellung von Aquarellen im Wiener Künstlerhaus. Weitere Ausstellungen im In- und Ausland folgten.
Sechs Jahre später gründete sie zusammen mit anderen die Kunstschule für Frauen und Mädchen, da Frauen bis dato kaum Möglichkeiten hatten, an staatlichen Schulen Kunst zu studieren.

Die Erfahrungen im patriarchalen Haushalt ihrer Kindheit und die mangelnde bürgerliche Mädchenerziehung stellten die Weichen für ihr Engagement. Ab 1894 war sie aktiv in der Frauenbewegung und trat bei Vorträgen und Versammlungen auf.
1897 wurde sie neben Auguste Fickert und Marie Lang Vorstandsmitglied des Allgemeinen Österreichischen Frauenvereins (AÖFV), der den radikalen Zweig der bürgerlichen Frauenbewegung vertrat. Der Verein setzte sich unter anderem für bessere Bildungs- und Berufschancen, für das Frauenwahlrecht und gegen Prostitution als Ausbeutung von Frauen ein.

Mayreders Essaysammlungen „Zur Kritik der Weiblichkeit“ und „Geschlecht und Kultur“ zählen heute zu den wichtigsten Schriften der ersten Frauenbewegung. Anders als ihre Zeitgenossin Marianne Hainisch, die für den gemäßigten Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung stand, brachte sie in ihren Essays offen ihre Forderung nach Veränderung der Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern zum Ausdruck. Als eine der Ersten vertrat sie die damals revolutionäre Ansicht, dass das Verhältnis zwischen Mann und Frau nicht von der Natur, sondern von gesellschaftlichen Normen bestimmt ist.

In ihrem schriftstellerischen Werk finden sich nicht nur kulturphilosophische Texte, sondern auch Prosa, Novellen und Gedichte. In jungen Jahren schrieb sie das Libretto für Hugo Wolfs Oper „Der Corregidor“.

Vor und während des 1. Weltkrieges engagierte sie sich gemeinsam mit Bertha von Suttner in der Friedensbewegung und wurde 1919 Vorsitzende der „Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit“ (IFFF).
1928 wurde sie zur "Bürgerin der Stadt Wien" ernannt. Nachdem sie sich in einem Zeitungsartikel öffentlich zu ihrem jüdischen Großvater bekannt hatte, wurde sie nur noch als "Bürgerin ehrenhalber der Stadt Wien" geführt.
1938, zwei Monate vor dem Einmarsch Hitlers in Österreich, starb sie im 80. Lebensjahr in Wien an einem Schlaganfall.

1965 wurde die Mayredergasse in Wien Donaustadt und 2005 der Rosa-Mayreder-Park in Wien Wieden nach ihr benannt.
1999 wurde das Rosa Mayreder College, das sich feministischer Bildungsarbeit widmet, gegründet.

Ihr Bild ist auf der Vorderseite der 500-Schilling-Banknote von 1997 abgedruckt.
Daneben steht eines ihrer Zitate:
„Die beiden Geschlechter stehen in einer zu engen Verbindung, sind voneinander zu abhängig, als dass Zustände, die das eine treffen, das andere nicht berühren sollten“.



Bücher zum Schwerpunkt 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich

 

Erhard Loecker Verlag BSIN05021733 2019, Deutsch, PB, 400 S., Format: 16,4 x 3 x 23,1 cm

Blaustrumpf, Ahoi! - 'Sie meinen es politisch!' 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich: Geschlechterdemokratie als gesellschaftspolitische Herausforderung

Klappentext:
Der wissenschaftliche Begleitband der gleichnamigen Ausstellung nimmt den 100. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts in Österreich zum Anlass, die Geschichte der politischen Partizipation von Frauen neu aufzurollen.
Nach 1918 entsteht die politische Figur der 'Frau als Wählerin' sowie als politische Repräsentantin. Die Erfüllung der Forderung nach politischen Rechten für Frauen bildet den Schlussstein in der langen Auseinandersetzung um die gleichberechtigte poli... more
Price: 29,80 EUR    
 
 

Mandelbaum BSIN05021456 2019, Deutsch, PB, 304 S., Format: 13,9 x 2,7 x 21,1 cm

Trausmuth, Gernot - »Ich fürchte niemanden« Adelheid Popp und der Kampf für das Frauenwahlrecht

Klappentext:
Das allgemeine, gleiche Wahlrecht "aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts" war eine der wichtigsten Errungenschaften der Revolution am Ende des Ersten Weltkriegs. Am 4. März 1919 konnten endlich die ersten weiblichen Abgeordneten im österreichischen Parlament angelobt werden. Unter ihnen befand sich Adelheid Popp (1869-1939), die auf drei Jahrzehnte des Kampfes für das Frauenwahlrecht zurückblicken konnte. Als junge Fabrikarbeiterin war Popp der Sozialdemokratie b... more
Price: 19,00 EUR    
 
 

Leykam BSIN05021179 2018, Deutsch, HC, 72 S., Format: 21,6 x 15,4 x 1,2 cm

Ziegerhofer, Anita - Ohne FRAUENbewegung kein FRAUENwahlrecht. 'Müht Euch um den Stimmzettel, er ist der Schlüssel zu allen bürgerlichen Rechten!'

Klappentext:
Frauen müssen von ihrem hart erkämpften Wahlrecht Gebrauch machen. Sie nehmen durch ihre Wahl Einfluss auf die Bildung politischer Gremien. (Marga Hubinek)
Macht ist primär die Macht des Wählens. (Margaret Thatcher)
Nicht mehr das eine oder das andere Leitbild, sondern die Entscheidungsfreiheit der Frauen ist uns wichtig. (Marilies Flemming)
Wir Frauen müssen uns gegenseitig auch ermutigen. Es ist ja keine Frage, dass wir alles können. (Maria Schaumayer)
more
Price: 17,90 EUR    
 
 

Societaets Verlag BSIN05020902 2018, Deutsch, HC, 256 S., Format: 25,8 x 2,5 x 31,7 cm

Gerchow, Jan / Linnemann, Dorothee - Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht

Klappentext:
Am 19. Januar 1919 konnten Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen und sich wählen lassen. Mit der Novemberrevolution 1918 wurde der Weg frei für Demokratie und für die politische Gleichstellung von Frauen und Männern. Der Bildband zur großen Jubiläumsausstellung des Historischen Museum Frankfurt zeichnet den Kampf für das Frauenwahlrecht vom Kaiserreich bis zur Revolution nach und verfolgt die Geschichte der ersten Frauenbewegung in ihrem internationalen Einsatz für Gleic... more
Price: 30,90 EUR    
 
 

Jacoby & Stuart BSIN05020625 2018, Deutsch, HC, 192 S., Format: 17,9 x 2,3 x 22,6 cm

Kranz, Sabine / Ritter, Annegret - 100 Frauen und 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland und Österreich

Klappentext:
Ja, das muss gefeiert werden: 100 Jahre ist es her, dass engagierte Frauen in Deutschland und Österreich für sich und alle nachfolgenden Generationen das Wahlrecht erkämpft haben. Viel hat sich seitdem verändert: das Selbstbestimmungsrecht, das Scheidungsrecht, die sexuelle Revolution, Arbeitsverträge ohne Erlaubnis des Ehemannes, Frauenfußball ... Frauen sind selbstbewusst geworden. Trotzdem stoßen sie noch immer gegen die "gläserne Decke", die sie meistens von den Spitzenpos... more
Price: 22,70 EUR    
 
 

Johannes Heyn BSIN05020348 2018, Deutsch, HC, 196 S., Illustrationen, Abbildungen und Fotografien, Format: 20,7 x 1,8 x 27,2 c

Lauritsch, Andrea M. - 'An uns, ihr Frauen, ist die Reihe' - 100 Jahre Frauenwahlrecht. Historische Streifzüge durch Kärntens Geschichte

Klappentext:
Am 12. November 1918 - dem Tag, an dem in Wien die Erste Republik ausgerufen wurde - beschloss die Provisorische Nationalversammlung das "allgemeine, gleiche, direkte und geheime Stimmrecht aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts".
eit nunmehr einhundert Jahren dürfen Frauen in Österreich also wählen und gewählt werden, für dieses Recht gekämpft haben sie schon viel länger. Wie diese Entwicklung in Kärnten gelaufen ist, wie Frauen seither politische Teilhabe ... more
Price: 34,00 EUR    
 
 

Edition Atelier BSIN05020071 2018, Deutsch, PB, 282 S., Format:12,6 x 2,3 x 20,6 cm

Messner, Elena / Schörkhuber, Eva / Sturm, Petra - Warum feiern. Beiträge zu 100 Jahren Frauenwahlrecht

Klappentext:
Keine Demokratie ohne Frauenrechte. 1918 durften Frauen in Österreich und Deutschland erstmals wählen. Aber: Gibt es im Hinblick auf Geschlechtergleichstellung überhaupt etwas zu feiern? Und wenn ja, was genau? Dem langen Weg bis zum Frauenwahlrecht, was seither passiert ist und wo wir heute stehen, gehen Schriftstellerinnen, Historikerinnen, Politologinnen und Journalistinnen in ihren reflektierten und feministischen Texten nach. Sie berichten von persönlichen Erfahrungen, be... more
Price: 18,00 EUR    
 
 

Ulrike Helmer Verlag BSIN05019794 2017, Deutsch, PB, 204 S., Format: 13,4 x 2 x 21,1 cm

Rohner, Isabel / Beerheide, Rebecca - 100 Jahre Frauenwahlrecht. Ziel erreicht! ... und weiter?

Klappentext:
Im November 1918 erhielten Frauen in Deutschland das aktive und passive Wahlrecht. Was verbinden Frauen hundert Jahre später mit diesem Erfolg? Generationen hatten dafür gekämpft. Der Widerstand seitens der Gegner der Frauenbewegungen war immens, der Glaube an die Minderwertigkeit von Frauen hielt sich hartnäckig. Viele Aktivistinnen sahen die Erlangung der politischen Gleichberechtigung von Männern und Frauen als ihre Lebensaufgabe - viele wurden enttäuscht und erlebten die E... more
Price: 18,50 EUR    
 
 

Fischer TB BSIN05019240 2009, Deutsch, PB, 368 S., Format: 12,5 x 2,4 x 19 cm

Karl, Michaela - »Wir fordern die Hälfte der Welt!« Der Kampf der Suffragetten um das Frauenstimmrecht

Klappentext:
Dass Frauen wählen dürfen, ist gar nicht lange her. Noch vor hundert Jahren kämpfte in England eine ganze Gruppe, die "Suffragetten", um dieses elementare demokratische Recht. Und dieser Kampf hatte es in sich: Mit ganzem Einsatz und in originellen Aktionen kam es zu einem regelrechten Guerilla-Krieg - bis die Frauen siegten.
In ihrer glänzend geschriebenen Studie zeichnet Michaela Karl die Geschichte dieser Bewegung nach und porträtiert die Heldinnen. Entstanden ist ein... more
Price: 22,70 EUR    
 
 

Gerhard Steidl Verlag BSIN05019517 2016, Deutsch, HC 343 S., Format: 16,1 x 3,5 x 24,1 cm

Pankhurst, Emmeline - Suffragette. Die Geschichte meines Lebens

Klappentext:
Dies ist die Geschichte eines behüteten Mädchens, das unbequeme Fragen stellt, die Geschichte einer mutigen, tapferen Frau, die früh verwitwet ihre fünf Kinder allein durchbringt. Es ist die Geschichte von Emmeline Pankhurst (1858-1928), die sich so gründlich über die Verhältnisse in ihrem Land empörte, dass sie zur bekanntesten und radikalsten der "Suffragetten" wurde. Diese Frauen kämpften vor dem Ersten Weltkrieg für ihr Wahlrecht und versetzten damit nicht nur die englisch... more
Price: 24,70 EUR    
 
 

Boehlau Verlag BSIN05022010 2008, Deutsch, HC, 216 S., Format: 16,5 x 2,3 x 24,6 cm

Mayreder, Rosa / Popovic, Tatjana (Hg.) - Rosa Mayreder: Der letzte Gott

Klappentext:
Rosa Mayreder, (1858-1938) österreichische Schriftstellerin, Kulturphilosophin, Sozialkritikerin, Frauenrechtlerin.
Zu ihrem 150. Geburtstag und 70. Todestag erscheint das Werk Der letzte Gott, erstmalig erschienen 1932/1933, Cottasche Buchhandlung.
Rosa Mayreder, die sich schon in jungen Jahren intensiv mit Nietzsche, Schopenhauer u. a. beschäftigte, publizierte im Laufe ihres Lebens Essays, Erzählungen, Romane und Gedichte sowie einen "weiblichen Faust". In ihrem... more
Price: 36,00 EUR    
 
 

Verlag St. Gabriel BSIN05009268 2000, Deutsch, PB, 279 S., Format: 14,1 x 2,4 x 20 cm
Zustand: sehr gut erhaltenes Exemplar

Schödl, Ingeborg - Zwischen Politik und Kirche - Hildegard Burjan

Hildegard Burjan bewegte sich zeit ihres Lebens zwischen den Welten: Als Frau brach sie ein in die männliche Domäne der Bildung und Politik; als Jüdin konvertierte sie zum christlichen Glauben; ihr politisches Agieren entfaltete sich im Übergang von der Monarchie zur Demokratie; als Angehörige der gehobenen Gesellschaft sah sie deutlicher als die meisten Not und Elend der einfachen Menschen.
Und dagegen tat sie etwas: Obwohl selbst chronisch leidend, baute sie mit Hilfe ihres brillanten Ve... more
Price: 12,90 EUR    
 
 

Tyrolia BSIN05009545 Innsbruck, 1995, Deutsch, PB, 167 S., Format: 12,5 x 1 x 20,5 cm
Zustand: sehr gut erhaltenes, neuwertiges Exemplar

Schödl, Ingeborg (Hrsg.) - Hoffnung hat einen Namen. Hildegard Burjan und die Caritas Socialis

Hildegard Burjan (1883-1933) ist eine der wichtigsten sozial und politisch tätigen Frauen in der neueren österreichischen Geschichte. Ihr Engagement lebt aus einem tiefen Glauben und aus ihrem offenen Ohr für die Anliegen der Zeit.
Das vorliegende Buch faßt die Texte und Vorträge der Jubiläumsveranstaltungen zu Hildegard Burjans 110. Geburtstag und 60. Todestag sowie zum 75jährigen Bestehen der von ihr gegründeten Caritas Socialis zusammen.
Autoren/Autorinnen sind u. a. Maria Rauch-K... more
Price: 6,90 EUR    
 

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